Heutiges Datum
Freitag, 18. Mai 2012
NaturFreunde
Aktuell
Die NaturFreunde
Aktiv
Mitglied werden
Naturfreundehaus
Eichkatzlpfad
Kletterkatakomben
Service
Impressum
Mitgliederbereich
Nachwuchs fördern

Spenden für die Nachwuchsarbeit bei den NaturFreunden können Sie hier:

Spenden unterstützen unsere Kinder- und Jugendarbeit im Verein. Ab 10,00 Euro erhalten Sie eine Spendenquittung wenn Sie Ihre Anschrift hinterlassen.

Optimale Auflösung
Die optimale Bildschirmauflösung
ist 1024 x 768 Pixel
Werbung
PageRank Verifizierung www.naturfreunde-bayreuth.de
Klettern mit Behinderten
Donnerstag, 02 April 2009

Mutiger Höhenflug

von Ute Eschenbacher/Nordbayerischer Kurier

mutiger_hhenflug0001BAYREUTH. Christopher kniet am Boden, hält den Gurt mit den Beinschlaufen auseinander. „So, erst den linken Fuß, dann den rechten Fuß, jetzt hochziehen, nun sieht das doch schon besser aus.“ Der Student schaut nach oben, richtet sich auf. Vor ihm steht der spastisch gelähmte Willy, die lange Trainingshose schlappert an den dünnen Beinen, seine Füße laufen spitz zu, die Hände sind leicht abgewinkelt. „Er braucht immer die größten Kletterschuhe!“, ruft Übungsleiter Willi Klöcker herüber. Gerade ist er dabei, die Ausrüstung an die Kletterer zu verteilen, die an diesem Tag mit in die Kletterhalle nach Forchheim gefahren sind. Alles dabei? Schuhe, Gurte, Seile, Sicherungsgerät, nichts vergessen!

Die Fachgruppe Bergsteigen bei den Naturfreunden Bayreuth bietet seit einigen Jahren an, was vielen vielleicht unmöglich erscheint: Klettern für Menschen mit Behinderung. Zusammen mit Jugendlichen ab 16 Jahren aus dem Heilpädagogischen Zentrum und dem Familienentlastenden Dienst klettern sie monatlich in Bayreuth und fahren einmal im Jahr raus an die Felsen oder wie jetzt in die Kletterhalle.

Nach und nach bilden sich Zweier-Teams aus Behinderten und Nichtbehinderten, die als erfahrene Sicherer am Boden bleiben. An den niedrigeren Wänden werden die ersten Kletterversuche zum Aufwärmen unternommen. Willy ist in das Seil eingebunden und legt los, er ist seit fünf Jahren dabei. Konzentriert setzt er einen Fuß nach dem anderen auf die farbigen Knubbel in der Wand, sucht sich die passenden Griffe und zieht sich Tritt für Tritt nach oben. Als er Routenende angelangt ist, strahlt er über das ganze Gesicht. Vorsichtig lässt ihn Christopher wieder herab auf den Hallenboden.

Gefahrloses ausprobieren

„Für manche ist das Klettern eine Mutprobe, andere haben einfach Spaß daran“, sagt Erzieherin Silke Schreiber-Cordts. In der Gruppe mit erfahrenen Kletterern als Begleitern können die Jugendlichen einen neuen Sport gefahrlos ausprobieren. Sicher, anfangs wurde schon viel nachgeholfen, die Jungen und Mädchen mit Hilfe des Seils fast hochgezogen, erzählt sie. Vor fast zehn Jahren hatte sie die Idee, den behinderten Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, einmal eine ganz neue Sportart jenseits der üblichen Behindertensportarten zu erproben. Damals war es eine reine Jungengruppe, mit der sie die ersten Kletterschritte übte. Heute ist die Gruppe gemischt, wenngleich die männlichen Teilnehmer in der Überzahl sind.

Gut fürs Selbstwertgefühl

Wie sich Klettern positiv auf das Selbstwertgefühl auswirken kann, schildert Silke Schreiber-Cordts am Beispiel eines autistischen Jungen. „Anfangs hat er die Berührung mit dem Gurt nicht ertragen, dann hat er sich Schritt für Schritt mehr getraut, schließlich war er so begeistert, dass er gar nicht mehr aufhören wollte.“

In der Gruppe sind überwiegend Jugendliche, die als geistig behindert gelten, einer hat das Down-Syndrom. Überfordert das Klettern die gehandicapten Menschen nicht? Nein, finden die Betreuer, es hat auf sie diesselbe gute Wirkung wie auf Nichtbehinderte: Sie testen ihre Grenzen, lassen sich auf eine neue Bewegungsform ein und freuen sich, wenn sie es geschafft haben, oben anzukommen. „Kraft, Koordination und Mut sind erforderlich, man wird in vielen Bereichen gefordert“, sagt Peter Pöhlmann, der am Graf-Münster-Gymnasium eine Schülerklettergruppe leitet und dessen Sohn Alexander dabei ist, der 37-Jährige mit dem Down-Syndrom. „Ich finde das ist eine tolle Sache, Klettern ist faszinierend und gibt unglaublich viel Selbstvertrauen.“

Vater und Sohn

Mit seinem Sohn ist er schon früher im Kreis der Familie klettern gegangen. mutiger_hhenflug0002Alexander ist sehr sportlich, trotzdem strengt ihn das Klettern an. Neben Kraft und Ausdauer ist auch Konzentration gefragt. „Nicht vergessen, die Füße nachzusetzen“, mahnt Tom, der das Seil mit dem Sicherungsgerät hält. Keiner muss weitermachen, wenn er nicht mehr will. Langsam arbeitet sich Alexander vorwärts, um dann zu jubeln: „Ich habe es geschafft, Papa!“ Er winkt und ist am Ende einer Route im leichteren Vierer-Schwierigkeitsgrad angelangt.

Wer eine Pause machen will, setzt sich auf die Holzbänke in der Mitte der Halle und ruht sich aus. Wie die beiden mitgekommenen Mädchen, die von hier aus lieber das Geschehen um sie herum beobachten, als es an die längeren Strecken geht.

Alexander ist zufrieden mit sich, beim ersten Mal hat er es nicht geschafft, weil die Kraft nicht mehr reichte. Umso besser, dass der zweite Versuch gelang. „Mir gefällt das sehr gut“, sagt er und kommt langsam wieder zur Ruhe. Er macht viel Ausdauersport, läuft, schwimmt.

Draußen an den Felsen der Fränkischen Schweiz ist das Klettern nochmal ein anderes Erlebnis, ist er sich mit Michael einig. „Das ist echt cool“, schwärmt Michael von dem Ausflug im vergangenen Jahr. Faszinierend ist besonders die Höhe, ergänzt Sven, der das Klettertraining für einen guten Ausgleich hält. Worin Behinderte und Nichtbehinderte gleichermaßen übereinstimmen. 

Nordbayerischer Kurier vom 28.01.09

... und hier der Originalbericht vom Nordbayerischen Kurier.

 
< zurück   weiter >
(C) 2012 Naturfreunde Bayreuth, Klettern,Kanu,Wandern,Ski,Foto,Bouldern,
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.